Helaba Helaba
Alternativszenario - Bauruine (10 %)

Alternativszenario

Bauruine (10 %)

In unserem negativen Alternativszenario „Bauruine“ brechen strukturelle ­Schwächen auf und führen zu einem globalen Abschwung. Verteilungskonflikte ­nehmen zu. Die Politik reagiert mit Protektionismus. Globalisierung und Welt­handel werden zurückgedrängt. Die Investitionstätigkeit leidet unter wirtschaft­licher und politischer Unsicherheit. Angesichts drohender Arbeitsplatzverluste ­drosseln die Haushalte ihren Konsum.
Das Vertrauen in die Stabilität des Finanzsystems schwindet. Die Risikoscheu der ­Anleger steigt sprunghaft. Sie suchen Zuflucht in sicheren Anlageklassen. Wir messen diesem Szenario eine Eintrittswahrscheinlichkeit von 10 % bei.

Hohe Verschuldung lähmt

Ein Jahrzehnt nach der Finanzkrise wird deutlich, dass die Lösung das eigent­liche Problem ist. Durch die extrem expan­sive Geldpolitik der letzten Jahre wurden die Schuldner massiv entlastet. Anstatt die Zinsersparnisse zu nutzen, um die hohe Verschuldung wieder auf ein nachhaltiges Niveau zu reduzieren, ließ man die Zeit ungenutzt verstreichen. In den Industrieländern verharrten die Verbindlichkeiten von Staat, Unternehmen außerhalb des Finanzsektors und privaten Haushalten in der Summe auf dem hohen Krisenniveau.

Der strukturelle Belastungs­faktor hohe Verschuldung bringt die Weltwirtschaft ins Wanken.

Allein schon aus demografischen Gründen wäre hier ein Abbau dringend geboten. Immerhin verteilt sich die Schuldenlast auf einen immer kleiner werdenden Anteil von Personen im erwerbsfähigen Alter. Gleichzeitig steigen die Ausgaben der Sozialversicherungssysteme. Die daraus entstehenden wachs­tumshemmenden Probleme lassen sich am Beispiel Japans, wo der Anteil der Erwerbsbevölkerung bereits seit 1990 sinkt, eindrucksvoll nach­vollziehen.
Selbst in China verschiebt sich die Bevölkerungsstruktur: Der Anteil der 15- bis 64-Jährigen nimmt auch dort bereits ab. Gleichzeitig schloss die Gesamtverschuldung Chinas in den vergangenen Jahren zu der in den Industrieländern auf. Insbesondere bei Staatsunternehmen hat sie drastisch zugenommen. In unserem negativen Alternativszenario „Bauruine“ gelingt es dem chinesischen Staat nicht, sogenannte Zombie-Unternehmen noch ­länger am Leben zu halten. Zudem ­kollabiert der überhitzte chinesische Immobilienmarkt. Der Abwärtsstrudel der Volksrepublik erfasst die gesamte Weltwirtschaft.

Demographie als Wachstumsbremse

Quellen: UN World Population Prospects 2017, Helaba Volkswirtschaft / Research

US-Wachstum bricht ab, Deutschland in der Rezession

Auch in den USA wird die hohe Staats- und Unternehmensverschuldung zum Problem. Die US-Unternehmen sind inzwischen sogar stärker verschuldet als vor der Finanzkrise. In großem Stil wurden eigene Aktien zurückgekauft und Dividenden ausgeschüttet, anstatt durch Investitionen die Produktivität zu erhöhen und die mittelfristigen Wachstumsperspektiven zu verbessern.

Aufgrund des schwachen Wachstums treten Verteilungskonflikte in den Vordergrund. Präsident Donald Trump setzt auf eine umfassende Abschottungsstrategie. Zölle und Handelsbarrieren werden errichtet. Es droht sogar ein Handelskrieg mit China. Selbst die trans­atlantischen Handelsbeziehungen werden empfindlich gestört. Angesichts der ­wirtschaftspolitischen Unsicherheiten kommt die Investitionstätigkeit zum ­Erliegen. Die US-Wirtschaft stagniert.

Für die vermeintlich ­einfachen Lösungen zahlen alle ­einen hohen Preis.

Auch in Europa betreiben einige Länder eine Politik des Rückzugs vom inter­nationalen Freihandel. Selbst innerhalb des Euroraums gibt es Bestrebungen, Handelshemmnisse zu errichten, um von Fehlentwicklungen im eigenen Land abzulenken.

Die weltweite konjunkturelle Abwärtsentwicklung sowie der zunehmende Protektionismus belasten den Welthandel überproportional. Davon ist Deutschland aufgrund seiner Exportquote von knapp 50 % besonders stark betroffen. Die Investitionstätigkeit wird hierdurch ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Deutschland rutscht in eine Rezession. Der Abwärtstrend erfasst die Europä­ische Union, so dass die ungelösten strukturellen Probleme der Währungsunion mit Wucht wieder hervortreten.

Politische Risiken in der ­Eurozone hoch

Im Euroraum gehen 2018 politische Risiken nicht nur von separatistischen Bewegungen in einzelnen Regionen aus. Auch von nationalen Egoismen geprägte wirtschaftspolitische Maßnahmen in den einzelnen Ländern werden zu einer Bürde.

In Frankreich ist die Bevölkerung nicht bereit, die Reformvorhaben von Präsident Emmanuel Macron mitzutragen. Massenstreiks legen das Land lahm. Spanien verstrickt sich in regionale Unabhängigkeitsauseinandersetzungen und in Italien erhalten bei den Parlamentswahlen Populisten und Anti-­Europäer das Mandat.

Auch Deutschland fällt als möglicher Stabilisator aus, da es nicht gelingt, eine tragfähige Regierung zu bilden, und Neuwahlen angesetzt werden. In diesem Umfeld scheitert der Umbau der europäischen Institutionen hin zu einer Wettbewerbsgemeinschaft.

Risikofaktor Verschuldung gewinnt an Gewicht

* Verschuldung von Staat, Nichtfinanzunternehmen und privaten Haushalten

Quellen: BIZ, Helaba Volkswirtschaft / Research

Die Fliehkräfte in Europa nehmen wieder zu. Populismus und Separatismus stellen eine ernst­zunehmende Belastungsprobe für die Stabilität und Zukunft der Währungsunion und Europas dar.

Die Brexit-Verhandlungen enden im Chaos. Der ungeregelte EU-Austritt wird nicht nur zu Verwerfungen im Güter- und Dienstleistungshandel, ­sondern auch im Finanzsektor und an den Kapitalmärkten führen. Unter einem solchen Brexit leidet Gesamt­europa. Die Unternehmen halten sich mit Investitionen stark zurück.

Geldpolitik und Fiskalpolitik ­versuchen zu kitten

Die zunehmende Unterauslastung der gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten führt zu einem starken Abwärtsdruck auf die Teuerung. Deflation wird wieder zum Thema. In diesem labilen wirtschaftlichen und politischen Umfeld beenden die Notenbanken der Industrieländer ihren geldpolitischen Normalisierungskurs und schalten wieder in den Expansionsmodus. Die Fed steuert mit erneuten Kaufprogrammen und Zinssenkungen gegen die Krise. Auch die EZB steigert ihre Anleihekäufe und führt den Einlagenzins noch tiefer in den negativen Bereich.

Die deutliche Abschwächung der Konjunktur hinterlässt allerdings Spuren im Bankensektor. Die Kreditausfall­raten steigen und Unternehmensan­leihen kommen erheblich unter Druck. Die Vergaberichtlinien werden gestrafft. Die Ausleihungen müssen deutlich zurückgefahren werden. Die Finanzstabilität wird von den Marktteilnehmern zunehmend in Frage gestellt. Aufgrund der bereits hohen Verschuldung fehlen der Fiskalpolitik die not­wendigen Handlungsspielräume, um wirksam gegensteuern zu können.

Ohne stabiles Fundament bleibt am Ende nichts als eine Ruine.

Gold als Zuflucht, Aktien und ­Immobilien unter Druck

Anleger suchen Sicherheit und fliehen aus Risikoassets in die „sicheren Häfen“ Treasuries und Bundesanleihen. Im Zuge dessen geben die 10-jährigen US-Treasuries bis auf 1 % nach, die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen taucht sogar in Richtung -1 % ab. Der US-­Dollar wird in Zeiten hoher Unsicher­heit seinem Ruf als Krisenwährung gerecht. Der Euro-Dollar-Kurs fällt auf 0,90. Auch Gold ist in schwierigen ­Zeiten gefragt und nähert sich wieder den alten Höchstständen von über 1.900 US-Dollar pro Unze.

Die inzwischen hoch bewerteten Immobilienmärkte erweisen sich als korrekturanfällig. Die schwache wirtschaftliche Entwicklung führt zu sinkender Flächennachfrage und zu steigenden Leerständen. Sinkende Mieten und Preiskorrekturen sind die Folge.

Der markante Rückgang der Unternehmensgewinne kann durch die geldpolitische Lockerung nicht kompensiert werden. Die Risikoaversion steigt sprunghaft und sorgt für deutliche Bewertungs­abschläge. Der DAX stürzt in Richtung der 8.000-Punkte-Marke ab.

Claudia Windt

Markus Reinwand, CFA

  • Hauptszenario
    Hauptszenario: Einkaufszentrum (70%)
  • Alternativszenario: Palast (20%)
    Alternativszenario: Palast (20%)
  • Länder und Regionen
    Länder und Regionen