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Alternativszenario: Palast (20%)

Alternativszenario

Palast (20 %)

In unserem positiven Alternativszenario „Palast“ erreicht die Weltwirtschaft ein beeindruckendes Wachstumsniveau. Lebhafte Handels- und Investitionsaktivitäten sowie Produktivitätsfortschritte eröffnen neue Möglichkeiten. In dieser Umgebung gelingt der Umbau der Europäischen Union zu einer Wettbewerbs­gemeinschaft.

Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise ist endgültig Geschichte. Beeindruckt von Prunk und Glanz gehen Anleger massiv ins Risiko. Die Eintrittswahrschein­lichkeit für dieses positive Alternativszenario beträgt 20 %.

Kräftige Expansion der Weltwirtschaft

Nach Jahren einer eher schleppenden Handelsaktivität nimmt die Globalisierung wieder deutlich Fahrt auf. Begünstigt wird diese wirtschaftliche Entwicklung auch durch eine weltweit wieder positivere Grundhaltung ­breiter Gesellschaftsgruppen gegenüber Freihandel und Globalisierung. Sowohl Industrie- als auch Schwellenländer profitieren von diesem Stimmungsumschwung.

Unter den Schwellenländern sind es insbesondere China und Russland, die 2018 entscheidende Wachstumsimpulse setzen. Die Volksrepublik bewältigt die Überkapazitäten in der Schwerindustrie und leitet einen neuen Investitionszyklus ein. Sowohl europäische als auch russische Unternehmen und Konsumenten profitieren von der Zurücknahme der Sanktionen gegenüber Russland.

Reger Handel führt weltweit zu einem ­synchronen Aufschwung im Industriesektor – die Globalisierung ist zurück.

Auf Seiten der Industrieländer übernehmen die USA die Wachstumsführerschaft. Konsum, Ausrüstungsinvestitionen und Wohnungsbau nehmen wieder richtig Fahrt auf. Großzügige Steuergeschenke der Regierung Trump setzen im Palast-Szenario zusätzliche Glanzpunkte. Das US-Wachstum erreicht fast 4 %.

Deutschland im Investitionszyklus XL

Deutschland profitiert außerordentlich vom Wachstum des Welthandels sowie den verbesserten Beziehungen zu Russland. Immerhin sanken die deutschen Exporte dorthin seit Beginn der Sanktionen um knapp 15 Mrd. Euro. Dies entspricht einem halben Prozentpunkt des deutschen BIP. Industrie 4.0 und Digitalisierung im Dienstleistungssektor beflügeln den Investitionszyklus. Da alle BIP-Komponenten kräftig zulegen, wird eine Expansionsrate von rund 3 % erreicht.

Aus Euro-Sklerose wird Eu(ro)phorie.

Produktivitätsfortschritte machen die Europäer auf den Weltmärkten wett­bewerbsfähig. Somit legen die Exporte der Europäischen Währungsunion deutlich zu. Aber auch die Binnennachfrage entwickelt sich dynamisch. Alle Länder der Eurozone profitieren vom Aufschwung. Erfolg macht attraktiv: Die politischen Fliehkräfte verschwinden. Angesichts erfolgreicher Strukturreformen und eines höheren Wachstums besinnen sich die Länder auf den ursprünglichen europäischen Gedanken. Das Regulierungsdickicht wird gelichtet, Regeln werden wieder eingehalten, die Transferpraxis wird über­arbeitet und das Grundprinzip der EU – die Sub­sidiarität – als oberste Maxime gelebt. Der Wettbewerbsgedanke stärkt Europa. Gleichzeitig arbeiten die Europäer in den Bereichen enger zusammen, in denen Vielfalt keinen Vorteil bringt. Dies gilt insbesondere für die Außen- und Sicherheitspolitik.

Das Vereinigte Königreich erwägt 2018 einen Exit vom Brexit.

Die Reformpolitik Frankreichs, die weit über die strukturellen Veränderungen am Arbeitsmarkt hinausgeht, trägt alsbald Früchte. Die französische Wirtschaftsdynamik überholt sogar die deutsche. Dies motiviert Italien, nach der Wahl im Mai 2018 nachzuziehen. In Großbritannien mehren sich die Zweifel am geplanten EU-Austritt.

Mehr Investitionen – höhere Wachstumsperspektiven

Quellen: IWF, Helaba Volkswirtschaft / Research

Geldpolitik schaltet in den ­Normalisierungsmodus

Im Palast-Szenario steigt die Inflation aufgrund des hohen Wachstums deutlich über das erklärte Ziel der Notenbanken von 2 %. Fed und EZB forcieren die Normalisierung: Die Fed steigert ihr Zinserhöhungstempo, die EZB leitet die Zinswende bereits 2018 ein. Am Rentenmarkt kommt es zu massiven Kursverlusten. 10-jährige US-Treasuries steigen auf 4 % und 10-jährige Bundesanleihen nähern sich der 2 %-Marke. Der Euro-Dollar-Kurs erreicht 1,30.

Immobilien verlieren angesichts der steigenden Renditen am Anleihemarkt an relativer Attraktivität, so dass sich die Nachfrage am Investmentmarkt beruhigt. Allerdings spiegelt sich die deutlich bessere wirtschaftliche Lage in höheren Mieteinnahmen und sinkenden Leerständen wider, so dass insgesamt mit einer weiterhin positiven Entwicklung der Immobilienwerte zu rechnen ist.

Die Beschleunigung des Wirtschaftswachstums sorgt für deutliche Umsatzsteigerungen bei den Unternehmen. Auch die Margen können ausgeweitet werden, so dass die Gewinne überdurchschnittlich zulegen. Der höhere Risikoappetit führt zudem zu einer spürbaren Bewertungs­expansion. Der DAX überspringt die Marke von 15.000 Punkten.

Claudia Windt

Markus Reinwand, CFA

Welthandel: ­Totgesagte ­leben länger

Lange Zeit gaben die globalen Handels­ströme und die ­weltweite Industrieproduk­tion Anlass zum Pessimismus. Dies hat sich ­inzwischen grundlegend geändert.

In den Jahren 2012 bis 2016 wuchs der globale Handel mit Waren deutlich langsamer als vor der Finanzkrise. Selbst wenn man die seitdem ebenfalls geringere Wachstumsdynamik der Weltwirtschaft insgesamt in Rechnung stellt, hat der Handel enttäuscht. Im Jahr 2016 schien sich lange sogar ein absoluter Rückgang des Handelsvolumens abzuzeichnen. Schwarzmaler sahen sich bestätigt, dass das Ende der Globalisierung eingeleitet sei. Die politischen Strömungen des Jahres 2016 – die Entscheidung der Briten für den Brexit, die Wahl des Protektionisten Trump, die zunehmende Unterstützung für fremdenfeindliche Parteien in vielen Ländern – schienen dies zu bestätigen.

Ein Jahr später hat sich das Bild gewandelt. In den USA ist die Rhetorik der Regierung deutlich protektionistischer, in der Sache hat sich im Vergleich zur Politik unter Barack Obama aber bislang nicht viel geändert. Lediglich der Ausstieg der Amerikaner aus dem trans­pazifischen Handelsabkommen TPP stellt einen Rückschlag dar.

Rückkehr der „guten alten Zeit“ vor der Krise?

Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft / Research

Jetzt geht’s los?!

Noch wichtiger aber ist, dass sich das Wachstum des Handels­­volumens spürbar erholt hat. Die Vorjahresrate ist so hoch wie seit der unmittelbaren Gegenbewegung nach der Krise nicht mehr. Für 2017 schätzt die Welthandelsorganisation WTO den Zuwachs beim Warenhandel nun auf 3,6 % und auch für 2018 wird ein Anstieg über 3 % erwartet. Dieses Anziehen gegenüber den 2016 verzeichneten 1,3 % spiegelt nicht zuletzt die Erholung in China und die andauernde Belebung der globalen Industriekonjunktur wider. Es ist sogar vorstellbar, dass diese zunehmende Dynamik einen Wechsel markiert: weg von der verhaltenen Nachkrisennormalität, hin zu den höheren Zuwachsraten vor 2008 / 2009. Dies hätte entsprechende nachhaltige Implikationen für die Weltkonjunktur, die dann auch an die Wachs­tumsraten der Vorkrisenzeit (mit eher 5 % als 3 %) anknüpfen könnte.

Da die hohe Dynamik des Handels in den 1990er und 2000er Jahren aber aus unserer Sicht u. a. durch Sonder­effekte (wie die Integration Chinas in die Weltwirtschaft) bedingt war, ist dies nicht das wahrscheinlichste Szenario. Die Chancen auf ein Anknüpfen an kräf­tigere Zuwächse beim Handel – und damit verbunden für einen ­synchronen, industriegetriebenen globalen Aufschwung – sind aber auch nicht vernachlässigbar.

  • Hauptszenario
    Hauptszenario: Einkaufszentrum (70%)
  • Alternativszenario - Bauruine (10 %)
    Alternativszenario: Bauruine (10 %)
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    Länder und Regionen