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Corporates - Volle Kassen, leere Regale

Der Podcast zum Artikel:

Corporates

Volle Kassen, leere Regale

Die EZB wird wohl auch 2018 der wichtigste Kunde am Corporate Bond-Markt bleiben und bis in den Herbst hinein für ungewöhnlich niedrige Risikoaufschläge sorgen. Das geringe Volumen handelbarer Unternehmensanleihen sorgt derweil für einen dynamischen Primärmarkt und begünstigt die Entwicklung innovativer Anlageformen, wie etwa Green Bonds.

Die Europäische Zentralbank wird bei Unternehmensanleihen auch 2018 wieder kräftig zugreifen. Dafür sorgt zum einen der steigende Anteil der Fälligkeiten in ihrem zuletzt über 120 Mrd. Euro schweren Corporate Bond-Portfolio. „Umtausch, nicht Rückgabe“ dürfte hier bis auf Weiteres die Devise von Mario Draghi lauten. Zum anderen wird die Zentralbank ihre Bestände aber auch weiterhin im größeren Stil aufstocken. Erst mit dem wahrschein­lichen Ende des EZB-Ankaufprogramms im September 2018 rechnen wir auch mit einer spürbaren Kürzung der Corporate Sector-Käufe.

Zweifelsohne hält die EZB die Corporates-Ankäufe für ein äußerst effizientes Mittel ­ihrer Politik.

Wenig Gefahr für das Corporates-­Segment geht zudem vom konjunk­turellen Umfeld aus. Robustes Wachstum spricht für eine anhaltend günstige Geschäftslage der europäischen Unternehmen. Das billige Geld hat die Konzerne außerdem bisher nicht zu Akquisitions-Experimenten verleitet, wenngleich sich die M&A-Preise in vielen Branchen inzwischen weit nach oben geschraubt haben. Insgesamt befinden sich die Bilanzen der meisten Gesellschaften in einem soliden, zuletzt teils sogar ­verbesserten Zustand. Somit besteht aktuell kaum die Gefahr, dass Bonitätsängste für Unruhe bei den Investoren sorgen.

Bond-Investoren stehen weiterhin Schlange

Für Investoren wird es wohl auch 2018 schwierig bleiben, ihre Gelder unterzubringen. Nicht zuletzt die mageren Staatsanleihezinsen zwingen die Anleger weiterhin dazu, häufiger renditestärkere Corporates auf die Einkaufsliste zu setzen. Gerade am Primärmarkt-Regal dürfte der Super-Investor EZB erhebliches Gedränge verursachen. Somit bleibt nicht ausgeschlossen, dass das zuletzt recht niedrige SpreadNiveau zeitweilig noch einmal sinkt. Im Verlauf des Jahres 2018 sehen wir jedoch einen moderaten Anstieg der Risiko­aufschläge. Bis dahin werden sich nicht nur die traditionellen Dauer-Emittenten aus dem Versorger-, Telekom- und Auto­mobilsektor freuen. Die günstigen Refinanzierungssätze ­dürften auch weiterhin Adressen aus Übersee anziehen.

Green Bonds weiter im Kommen

Wie in den Supermärkten wird das Angebot künftig zunehmend auch aus grünen Produkten bestehen. Anleihen, die in Umwelt- und Klimaprojekte fließen, ansonsten jedoch mit konventionellen Papieren nahezu identisch sind, waren lange eine Domäne der Förderbanken. Inzwischen gibt es aber auch Staatsanleihen, Pfandbriefe, Corporate Bonds und sogar Schuldscheine mit grünem Label. Der Primärmarkt für solche Titel eilte zuletzt von Rekord zu Rekord. Obwohl er sich 2017 gegenüber dem Vorjahr auf 200 Mrd. US-Dollar verdoppelt hat, stellt er nach wie vor nur eine Nische des weltweiten Anleihemarktes dar. Dennoch: In allen Branchen begreifen immer mehr Unternehmen ressourcen- und klimaschonendes Wirtschaften als Basis einer erfolgreichen Geschäftspolitik. Solche Investitionen mit entsprechenden Instrumenten zu finanzieren bietet die Gelegenheit, diese Überzeugung prominent zu unterstreichen. Gleichzeitig helfen die Etablierung internationaler Standards sowie spezialisierte Analysehäuser dabei, Etikettenschwindel zu vermeiden.

Investoren zunehmend an Nachhaltigkeit interessiert

Dies dürften auch Anleger gerne hören. Sie kaufen ebenfalls immer häufiger in der Bio-Abteilung der Finanzmärkte. Stolze 23 Billionen US-Dollar waren 2016 weltweit schon nach Nach­haltig­keitskriterien angelegt, etwa ein Viertel mehr als noch zwei Jahre zuvor. Dieser Zuwachs spiegelt nicht zuletzt die ­Erfahrung wider, dass Unternehmen mit einer vorbildlichen Umweltstrategie oft auch in anderen Bereichen überdurchschnittlich abschneiden. Emittenten können den neuen Inves­torenkreis nutzen, um ihre Finanzierungsquellen weiter zu diver­sifizieren und sich so besser für Engpässe à la 2008 zu rüsten. Dafür müssen sie keineswegs tiefer in die Tasche greifen: Die Spreads der bislang in Europa aufgelegten grünen Corporate Bonds lagen zum Emissionszeitpunkt nie nennenswert über, in vielen Fällen dagegen sogar leicht unter denen älterer Titel der Emittenten. In Europa haben bislang vor allem franzö­sische und spanische Unternehmen grüne Anleihen für sich entdeckt. Mit der innogy SE platzierte Mitte Oktober erstmals auch ein deutscher Konzern einen großen Green Bond. Die Chancen stehen gut, dass 2018 gerade hierzulande weitere Firmen folgen. Nicht nur, weil Grün auch eine wichtige Farbe auf der Flagge Jamaikas ist.

Stefan Rausch

Ulrich Kirschner, CFA

EZB wichtiger Taktgeber für Corporate Spreads

p = Prognose

Quellen: Bloomberg, Datastream, Helaba Volkswirtschaft / Resarch

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