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Devisen

Shopping-Tour in die USA noch verschieben?

Der Euro ist zurück. Nein, er ist nicht unter die Parität gefallen, sondern strotzt ­sogar vor Kraft und gehört zu den stärksten Währungen 2017. Politischer und ­konjunktureller Rückenwind trugen den Euro-Dollar-Kurs zeitweise über 1,20. ­Spiegelbildlich setzte der US-Dollar zum Sinkflug an. Ist dies nun die große ­Trendwende am Devisenmarkt oder die Euro-Stärke doch nur ein Strohfeuer?

Die Geldpolitik stützt 2018 zunächst den US-Dollar. Während die EZB vorerst nur sehr zögerlich von ihrem extrem expansiven Kurs abrückt, vermindert die Federal Reserve sukzessive ihre lockere Politik. Die US-Notenbank setzt ihren Zinserhöhungszyklus fort. Den vier bisherigen Anhebungen dürfte sie noch weitere Schritte auf gut 2 % bis Ende 2018 folgen lassen. Der ohnehin auf ein langjähriges Hoch gestiegene kurzfristige US-Renditevorteil gegenüber europäischen Anleihen wird sich 2018 sogar noch ausweiten, bei langfristi­gen Renditen ist die Differenz ebenfalls ausgeprägt. Bereits die aktuellen Zins­differenzen deuten auf eine Dollar-Auf­wertung hin. Zudem verringert die Fed ihren Anleihebestand, während die EZB ihre Zukäufe vorerst nur verlangsamt.

Renditediff erenzen stützen den US-Dollar

Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft / Research

Vorübergehende Hilfe von der US-Politik

Die US-Finanzpolitik könnte der eigenen Währung ebenfalls positive Impulse geben, nachdem diese bislang die Erwartungen enttäuscht hatte. Eine umgesetzte Steuerreform würde die Konjunktur zumindest anregen, was indirekt den US-Dollar stützt. Mutmaßlich umfasst ein Reformpaket Anreize zur Rückführung von im Ausland geparkten Unternehmensgewinnen. Zwar würden diese Auslandsguthaben nur teilweise in die USA repatriiert werden, zumal sie in erheblichem Maße bereits in US-Währung angelegt sind. Jedoch sollte der ­US-Dollar davon immerhin einen kleinen Schub bekommen.

I like a dollar that’s not too strong. I mean, I’ve seen strong dollars. And frankly, other than the fact that it sounds good, lots of bad things happen with a strong dollar.  Donald J. Trump

Euro langfristig weiter unterbewertet

Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft / Research

Jenseits steuerlicher Maßnahmen wird die Trump-Regierung jedoch den Greenback kaum unterstützen. In der Vergangenheit waren dauerhaft höhere Haushaltsdefizite sowieso eher eine Belastung für den US-Dollar. Vor allem hat die Regierung aufgrund ihrer prinzipiell protektionistischen Ausrichtung kein Interesse an einer zu starken Währung. Trump übt zwar nur einen mittelbaren Einfluss auf die Wechselkurse aus. ­Dennoch spielt die Einstellung der US-Regierung insbesondere in der langfristigen Perspektive eine nicht zu unter­schätzende Rolle.

Bewertung spricht gegen US-Dollar

Die Neigung zu einem schwächeren US-Dollar ist nicht ganz unbegründet. Trotz der Abwertung 2017 gilt die US-Währung im langfristigen Vergleich weiterhin als teuer – insbesondere in Relation zum Euro, obwohl der Abstand zur Kaufkraftparität nicht mehr extreme Niveaus wie Anfang 2017 erreicht. Die teure US-Währung spiegelt sich im Außenhandel wider: Das US-Defizit fällt hier ohne Berücksichtigung des Energiesektors („Fracking“) ziemlich hoch aus, selbst wenn sich der Fehl­betrag in der gesamten Leistungsbilanz auf moderatem Niveau befindet.

Die Leistungsbilanz der Eurozone steht schon seit längerem glänzend da. Die konjunkturellen Verbesserungen mildern die Verschuldungszahlen der öffentlichen Hand. Da sich die Arbeitsmärkte in der Eurozone sukzessive erholen, wächst in der langen Frist der Anpassungsbedarf für die Geldpolitik. Die EZB agiert zwar sehr vorsichtig, grundsätzlich hat sie jedoch den Schalter bereits umgelegt. Die phasenweise Einengung der langfristigen Zinsdifferenzen gegenüber den USA deutete dies 2017 schon an. Wohl noch nicht 2018, aber im ersten Halbjahr 2019 stehen erste Zinserhöhungen der EZB vor der Tür. Neben den längerfristigen Bewertungsaspekten dürfte bereits eine sich abzeichnende Zinswende den Euro im Verlauf von 2018 stärken.

Kurswechsel beim Wechselkurs?

Auch wenn Markttiming schwierig ist: In der kürzeren Frist deutet einiges auf einen niedrigeren Euro-Dollar-Kurs hin. In der längeren Perspektive wird der Euro aber gegenüber der US-Währung wieder zulegen können. Wir erwarten daher, dass sich der Euro-Dollar-Kurs 2018 zunächst im unteren Bereich eines Bands von 1,10 bis 1,20 bewegt. Im späteren Jahresverlauf dürfte der Euro aber wieder in Richtung 1,20 klettern. Seine Erholung ist mehr als nur ein Strohfeuer.

* Kurs gg. Euro

Quelle: Helaba Volkswirtschaft / Research

Pfund weiter im Brexit-Sog

Das Britische Pfund leidet weiterhin unter dem Brexit, auch wenn die Talfahrt ins Stocken geraten ist. Das fundamentale Umfeld spricht sogar für ein stärkeres Pfund Sterling. Das britische Wachstum geriet zwar in Relation zur Eurozone ins Hintertreffen. Dafür preschte die Bank of England mit einer Zinswende vor. Der kurzfristige Renditevorteil des Pfunds gegenüber dem Euro befindet sich auf einem Zehn-Jahres-Hoch. Trotz einer 2018 vorsichtigen Notenbank zeichnet sich keine markante Einengung des ­Zinsvorteils ab. Zudem stützen langfristige Bewertungsindikatoren das Pfund.

Wäre da nur nicht der Brexit. Die politischen Unsicherheiten bestehen fort, so dass deswegen ein Bewertungsabschlag berechtigt erscheint. 2018 dürften weniger die fundamentalen Daten den Wechselkurs beeinflussen, sondern mehr die Fortschritte bei den Verhandlungen mit der EU bzw. die Sorgen vor einem Scheitern. Rückschläge werden das Pfund belasten, Annäherungen begünstigen es. So dürfte der Euro-Pfund-Kurs 2018 im Bereich von 0,85 bis 0,90 schwanken.

Franken fängt sich

Der Schweizer Franken zählt 2017 zu den großen Verlierern am Devisenmarkt. Die politische Entspannung in der Währungsunion sowie ein allgemein höherer Risikoappetit verminderten die Nachfrage nach dem sicheren Anlagehafen. Konjunkturell erlitt die Schweiz eine kleine Durststrecke. Jedoch deuten jüngste Daten und Frühindikatoren eine stärkere Dynamik an, so dass sich das Wirtschaftswachstum 2018 auf rund 1,5 % in etwa verdoppeln dürfte. Sogar die Inflation stieg klar in positives Terrain und wird 2018 das Niveau von 0,7 % verteidigen können.

Die Schweizer Notenbank hingegen wird sich weiter an der EZB orientieren und daher zumindest 2018 ihren Leit­zins nicht anheben. Die Zinsdifferenzen gegen­über dem Euro geben aber eher dem Franken Unterstützung. Die Schweizer Währung ist zwar langfristig weiter über­bewertet, jedoch nicht mehr so ex­trem. Selbst wenn nach einem Dämpfer die freundliche Euro-Stimmung wieder ­aufgenommen wird, dürfte der Euro-Franken-Kurs seinen Anstieg 2018 kaum fortsetzen und nach temporären Rücksetzern um 1,15 notieren.

Yen nicht im Ausverkauf

Der Japanische Yen stand 2017 gegenüber dem Euro unter Druck. Während rund um die Welt die Notenbanken wenigstens in Trippelschritten eine Abkehr von ihrer expansiven Geldpolitik planen, bewegt sich die Bank of Japan überhaupt nicht. Daher deuten Zins­differenzen gegenüber dem US-Dollar auf einen schwächeren Yen. Allerdings relativieren sich die Renditedifferenzen im langfristigen Vergleich insbesondere gegenüber dem Euro. Auch andere ­Indikatoren zeigen eine günstige Bewertung des Yen an, der fast rekordhohe Leistungsbilanzüberschuss Japans untermauert dies. Zudem könnte ein nachlassender Risikoappetit an den Finanzmärkten die Nachfrage nach dem Yen steigern. Per saldo dürfte der Yen 2018 gegenüber Euro und US-Dollar leicht zulegen.

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