Helaba Helaba
Sie können den Rechtsklick nicht Benutzen!

Der Podcast zum Artikel:

Rohstoffe und Gold

Gold gehört auf die Einkaufsliste

Die Komplexität der Rohstoffmärkte wird 2018 voraussichtlich noch zunehmen. Bei anhaltender Differenzierung dürften sich die Notierungen mehr oder weniger stabil zeigen.
Das Kaufinteresse an Gold dürfte 2018 ­wieder steigen. Da die Kombination aus ­hoher Bewertung und erhöhter Risiko­freude erhebliche Rückschlaggefahren bei ­anderen Vermögenstiteln birgt, wird das gelbe Metall einen neuen nachhaltigen ­Aufwärtstrend einschlagen.

Erhöhte Komplexität

Ein rohstoffintensiver Wachstumssprung dürfte 2018 weder in den Schwellenländern noch in den OECD-Ländern auf der Agenda stehen. Vielmehr könnte das makroökonomische Umfeld an den Rohstoffmärkten angesichts der zuletzt erreichten Zyklusphase bereits 2018 leicht dämpfend wirken.

An den physischen Märkten haben sich die Reaktionsmuster in der letzten Dekade verändert. So erhöhten sich die Preis­elastizitäten vor allem auf der Nachfrageseite. Hierin spiegeln sich zum einen Effizienzsteigerungen aufgrund technologischer Veränderungen und zum anderen neue Konsumentengewohnheiten infolge der Digitalisierung wider. Zusammen mit  der Wechselhaftigkeit der Finanzinvestoren hat dies bei einer zunehmend unorthodoxen Wirtschaftspolitik die Komplexität der Rohstoffmärkte erhöht.

2018 eher uneinheitlich

Die Rohstoffgruppen werden 2018 wohl erneut sehr unterschiedlich abschneiden. Industrierohstoffe als Gewinner des Jahres 2017 dürften den Zenit überschreiten. Diverse Primärmetalle haben auch spekulativ getrieben Preisregionen erreicht, die selbst in China mit Sorge betrachtet werden. Substitutions­anstrengungen nehmen bereits zu. Natürlich spielen auch geringere Investitionen in neue Vorkommen während der letzten Jahre und niedrigere Erzqualitäten eine Rolle. Gleichzeitig hat sich die Kostensituation grundsätzlich verbessert. Das Angebot dürfte aufgrund der höheren Preise wieder ansteigen.

Rohöl Brent: Preisspektrum ­umstritten

Preisprognosen für Mineralölprodukte bewegen sich gegenwärtig auf relativ dünnem Boden. Das Spektrum für 2018 fällt bei Brent-Rohöl je nach unterstelltem Szenario mit 40 bis 80 US-Dollar je Barrel recht breit aus. Jedenfalls wird aufgrund der unterschiedlichen Ziehkräfte die Volatilität der Rohölnotie­rungen hoch bleiben.

Folgt man den Optimisten, so lassen die dynamische Rohölnachfrage sowie die anhaltende Förderdisziplin der OPEC und Russlands den Preis für Brent 2018 weit über 60 US-Dollar je Barrel steigen. Gleichzeitig zeigen geringe Investitionen in die Erschließung neuer Vorkommen zunehmend Wirkung. Schließlich könnten bei einem geräumten Markt politische Spannungen vor allem im Nahen Osten zu spürbaren Risikoaufschlägen führen.

US-Ölförderung erhöht Unsicherheit

Quellen: Bloomberg, Helaba Volkswirtschaft / Research

Die Pessimisten schätzen die Nachfrage­entwicklung nach einer temporären Beschleunigung im Sommer 2017 als weniger dynamisch ein und rechnen mit einer neuen großen Angebotswelle des US-Schieferölsektors. Am Ende soll es hierdurch zu einer preisdrückenden Ölschwemme kommen. Verschärfend wirkt dabei die Auflösung extrem hoher spekulativer Long-Positionen an den Terminmärkten. Notierungen im Bereich von 40 US-Dollar je Barrel sind dann angesagt. Digitalisierung, Elektrifizierung und Dekarbonisierung dämpfen gleichzeitig die Preiserwartungen.

Wahrscheinlich liegt die Wahrheit für 2018 in der Mitte. Nach dem markanten Preisanstieg seit dem Zwischentief im Sommer 2017 werden sich allmählich Reaktionen bei Angebot und Nachfrage einstellen. Sie dürften einen Durchmarsch in Richtung 80 US-Dollar je Barrel verhindern. Gleichzeitig sollte man die noch vorhandene Schlagkraft des US-Schieferölsektors nicht überschätzen. Einen angebots­­getriebenen Preisabsturz in den Bereich von 40 US-Dollar je Barrel dürfte mittlerweile auch die Schieferölindustrie nicht mehr auslösen. Außerdem ist nicht mit einem massiven Anstieg des Außenwerts des US-Dollar wie 2014 zu rechnen. Eine Brent-Prognosespanne von 50 bis 70 US-Dollar je Barrel erscheint somit für 2018 plausibel.

Quelle: Helaba Volkswirtschaft / Research

Gold: Realzinsen irritieren nur ­temporär

Nach der Jahreswende 2015 / 2016 erhielt der Goldpreis vor allem aufgrund deutlich niedrigerer Realzinsen neuen Auftrieb. So fiel die Realrendite von 10-jährigen US-Staatsanleihen zwischen Herbst 2015 und Sommer 2016 von rund 2,5 % bis in den Bereich der Null­linie. Seit der Trump-Wahl im November 2016 ist der Aufstieg des gelben Metalls allerdings mühsamer geworden. Die Renditeerwartungen schwankten von nun an mit den Einschätzungen über die wirtschaftspolitischen Aktivitäten der neuen US-Präsidentschaft.

Indessen bewegt sich die US-Real­rendite weiter um die Nulllinie. Sie wird voraussichtlich auch 2018 dem Goldpreis Rückenwind geben, selbst wenn sie dann eher ein wenig höher liegt. Ein stärkerer Anstieg der Nominalrenditen würde letztendlich durch entsprechend höhere Inflationsraten kompensiert.

Gold in Wendeformation: Ausbruch in Richtung 1.600 USD?

Quellen: Bloomberg, Helaba Volkswirtschaft / Research

Anziehungskraft steigt weiter

Bei erhöhter Wachstumsdynamik, moderater Inflation und anhaltend lockerer Geldpolitik legten die klassischen Risikoanlagen 2017 kräftig zu. Die relative Bewertung von Gold ist damit nicht nur mit Blick auf Staats­anleihen, sondern auch in Bezug auf Aktien, Unternehmensanleihen und Immobilien noch attraktiver geworden. Die Inflation der Vermögenspreise dürfte schließlich den Absicherungs­bedarf der Finanzinvestoren auch in Form von physischem Gold spürbar ansteigen lassen.

Auch die Zentralbanken und Staatsfonds greifen bei Gold zu. Immerhin haben US-Staatsanleihen aufgrund des enormen Schuldenaufbaus, der unkonventionellen Geldpolitik und der abnehmenden politischen Berechenbarkeit nicht mehr uneingeschränkt den Status der „risikofreien Anlage“. Aber nicht nur in den Industrie-, sondern auch in den Schwellenländern ist die Verschuldung stark gestiegen.

Im Übrigen wurden an den Finanzmärkten die politischen Risiken zuletzt weitgehend ausgeblendet. Die Unsicher­heit in Europa hat zwar erst einmal nachgelassen. Die strukturellen Probleme bestehen aber weiterhin und ­werden nur temporär durch positive Konjunktureinflüsse kaschiert. Jedenfalls zeigt die Geschichte, dass bei ­ökonomischen Verwerfungen die Staaten mit den höchsten Goldbeständen nicht die schlechtesten Karten haben.

Gold scheint auch hinsichtlich der Markttechnik nach einer langjährigen Konsolidierung in eine entscheidende Phase eingetreten zu sein. Der bis 2011 zurückreichende mittelfristige Abwärtstrend wurde zuletzt überschritten. 2018 könnte sich die aktuell gegebene Wende­formation im positiven Sinn bestätigen. Dann bestünde auch charttechnisch ordentlich Luft nach oben. Der Goldpreis dürfte 2018 über 1.400 US-Dollar pro Unze steigen.

  • Länder und Regionen
    Länder und Regionen
  • Prognosetabellen
    Prognosen
  • Hauptszenario
    Hauptszenario

Teilen Sie dies mit einem Freund