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Brasilien - Konsumgetriebenes Wachstum

Der Podcast zum Artikel:

Brasilien

Konsumgetriebenes Wachstum

Die Signale für eine wirtschaftliche Besserung in der größten südamerikanischen Volkswirtschaft haben zugenommen. Das Geschäftsklima hat sich deutlich aufgehellt und die Industrieproduktion stabilisierte sich auf niedrigem Niveau. Das reale Bruttoinlandsprodukt konnte im ersten Halbjahr 2017 endlich wieder zulegen. Die lange und tiefe Rezession der brasilianischen Wirtschaft ist damit beendet. Nun gilt es, den kräftigen Rückgang der wirtschaftlichen Leistung aufzuholen – immerhin lag das BIP zuletzt noch fast 7 % unter dem Stand von Ende 2014.

Maßgeblichen Anteil an der konjunkturellen Verbesserung hat der private Konsum, der für 64 % des Sozialprodukts steht. Die Verbraucher sind wieder optimistischer und die Einzel­handelsumsätze liegen erstmals seit 2014 deutlich über dem Vorjahresniveau. Am Arbeitsmarkt liegt dies kaum, denn die in den letzten Jahren kräftig gestiegene Arbeitslosenquote wird sich 2018 nur langsam auf jahresdurchschnittlich 12 % zurückbilden. Positiv dürfte aber der drastische Rückgang der Inflation wirken, die Anfang 2016 noch im zweistelligen Bereich lag, im Herbst 2017 jedoch unter 2 % gefallen ist. Dies sorgt für spürbar steigende Realeinkommen. Die Entspannung bei der Preisentwicklung hat es der Notenbank mit ihrem Inflationsziel von 4,5 % ermöglicht, den Leitzins von über 14 % auf zuletzt nur noch 7,5 % zu senken. Weitere Zinsschritte sind möglich und dürften nicht nur den privaten ­Konsum stimulieren, sondern lassen für 2018 insbesondere auf eine Belebung der Investitionen hoffen.

s = Schätzung, p = Prognose

Quelle: Helaba Volkswirtschaft / Research

Strukturelle Probleme und Politik als Hypothek

Die konjunkturelle Erholung in Brasilien wird allerdings im kommenden Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von rund 2 % moderat ausfallen – zu sehr lasten strukturelle Probleme wie mangelnde Reformen, hohe politische Unsicherheit und die Korruption auf dem Land. Auch der marktwirtschaft­lich orientierte Präsident Michel Temer, der erst vor einem Jahr angetreten ist, wird von Korruptionsvorwürfen belastet – dies hat seit Mai die Verbraucherstimmung eingetrübt. Allerdings bleibt ihm wohl das Schicksal seiner Vorgängerin erspart, da das Parlament vermutlich keinen Prozess wegen der Annahme von Bestechungsgeldern einleitet.

Der Präsident will den Reformprozess vorantreiben, was wegen der schwierigen öffentlichen Haushaltslage dringend geboten ist. Für einen deutlichen Abbau des hohen Budgetdefizits von rund 8 % des BIP im zurückliegenden Jahr wäre vor allem die Reform des teuren Rentensystems durch die Einführung eines festen Rentenalters sowie einer Mindestbeitragsdauer erforderlich. Ob diese unpopulären Maßnahmen noch vor der Wahl im Oktober 2018 durchgesetzt werden können, ist jedoch fraglich. Wichtige Ansatzpunkte zur Ankurbelung der Wirtschaft wären darüber hinaus die Bekämpfung der Korruption, die Verbesserung von Infrastruktur und Bildungssystem sowie der Abbau von Handelshemmnissen.

Dr. Stefan Mitropoulos

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