Helaba Helaba
China - Die Partei hat immer Recht

China

Die Partei hat immer Recht

Der Kongress der Kommunistischen Partei Chinas stellte Präsi-dent Xi im Herbst 2017 auf eine Stufe mit dem Großen Vor­ sitzenden Mao und verewigte ihn namentlich in der Partei­ verfassung. Dass Mao dort noch immer als strahlender Held dasteht, trotz der von seiner Politik ausgelösten Hungersnöte, lässt erwarten, dass auch Xis Position als Lichtgestalt kaum durch schnöde politische Fehler in Frage gestellt werden kann.

Dabei fällt eine Periode in Xis erste Amtszeit, in der die Kommunistische­ Partei teilweise alles andere als gut aussah. In den vergangenen Jahren waren Regierung und Partei manchmal sogar ungewohnt harter Kritik ausgesetzt: Der unglückliche Umgang mit der Korrektur am Aktienmarkt 2015 stellte erstmalig in der jüngeren Vergangenheit ihre wirtschaftspolitische­ Kompetenz ernsthaft in Frage. Eine eigentlich als Liberalisierungsschritt geplante Änderung des Wechselkursregimes löste 2016 an den Finanzmärkten Ängste über einen bevorstehenden Abwertungswettlauf aus. Es folgte eine Art „Kapitalflucht“ aus China, die die Regierung erst Anfang 2017 unter Kontrolle bekam.

2017: Annus mirabilis?

Dagegen war 2017 ein gutes Jahre für die Kommunistische Partei. Politisch pro­fitierte China vom Amtswechsel in Washington. In strittigen Souveränitätsfragen (Inseln im Süd – und Ostchinesischen Meer) hat sich dort zur Position unter Barack Obama nicht viel geändert. Allerdings hat die Regierung Trump auf anderen Politikfeldern unilateral auf eine globale Führungsrolle verzichtet – eine Lücke, in die man in China nur zu gerne springt. Am deutlichsten kam dies in der Absage der USA an die transpazifische Freihandelszone TPP zum Ausdruck – einen Vertrag, den die Amerikaner vorher selbst als Konkurrenz zur chinesisch dominierten RCEP vorangetrieben hatten. Präsident Xi konnte sich so als verantwortungsvoller Verfechter der Globalisierung und des Freihandels in Szene setzen. Chinas Rolle als führende Wirtschaftsmacht Asiens wurde gestärkt.

Auch konjunkturell hat sich die Lage verbessert. Vor Jahresfrist hatten wir die damals bereits angelaufene Erholung der chinesischen Konjunktur unterschätzt. Ja, sie war nicht zuletzt durch einen massiven Stimulus seitens der Finanzpolitik und eine von der Regierung angestoßene verstärkte Kreditver­gabe bedingt. Aber teilweise spiegelt sie wohl auch ein global zu beobachtendes Anziehen des Industriezyklus wider. Laut den offiziellen Zahlen kann China 2017 das Wachstumstempo von 6,8 % halten, das auch schon in den beiden Vorjahren verzeichnet wurde. Damit wird das Wachstumsziel von 6,5 % komfortabel übertroffen.

s = Schätzung, p = Prognose

Quelle: Helaba Volkswirtschaft / Research

An den zahlreichen Problemen ändert all dies freilich nichts: Demografisch ist die chinesische Erwerbsbevölkerung dank der Ein-Kind-Politik bereits auf dem absteigenden Ast, deut­lich früher im Entwicklungsstadium als bei den heutigen Industrienationen. Die Verschuldung, insbesondere der Staatsunternehmen, hat drastisch zugenommen. Der Immobilienmarkt ist unverändert ein potenzielles Stabilitätsrisiko. Der Boom im Wohnungsbau ist schon lange vorbei. Bei den ­Preisen hat die Dynamik in den vergangenen Monaten deutlich nachgelassen – ähnlich wie in früheren Korrekturphasen. Mangels Anlagealternativen und eines umfassenden Rentensystems bleibt der Wohnungskauf für viele Haushalte der präferierte Weg der Altersvorsorge. Das Dauerproblem der industriellen Überkapazitäten („Zombie-­Firmen“) wurde zwar angegangen, aber es ist offen, mit welcher Konsequenz die Regierung hier weiter vorgehen wird.  

Im Zweifelsfall: Für die Stabilität

Insgesamt wird die chinesische Regierung 2018 wohl bei ihrem Kurs bleiben und sich im Zweifelsfall stets gegen mit Risiko behaftete Reformen und für die Stabilität entscheiden. Vieles von dem, was in den vergangenen Jahren als Reformfortschritt verkauft wurde, war bei näherem Hinsehen weit­gehend kosmetisch oder blieb letztlich hinter den Erwartungen zurück, trotz aller verbalen Bekenntnisse zur „Marktwirtschaft“. Dies gilt für die Liberalisierung des Wechselkurses und der Kapitalbilanz, den Aufbau eines sozialen Netzes ebenso wie für die unverändert zentrale Rolle der Staatsunternehmen.

Der Umbau der Wirtschaft – zu mehr Dienstleistungen statt Industrie und mehr Konsum statt Investitionen – dauert an. Allerdings sind die Wachstumsbeiträge des Konsums in den vergangenen Jahren nicht gestiegen. Der Wachstumsmix hat sich vor allem deshalb verschoben, weil die Investitionen nicht mehr so stark wie früher zulegen.

Bauboom vorbei, Preisanstieg flaut ab

Quellen: Macrobond, Datastream, Helaba Volkswirtschaft / Research

Auf kurze Sicht läuft es in China­ – um den Preis zunehmender­ mittelfristiger Risiken.

 

Wir bleiben daher bei unserer Einschätzung, dass China auf mittlere Sicht ein Trendwachstum von rund 5 % pro Jahr ansteuert. Wegen der nur zögerlichen Reformfortschritte wird dies eher früher als später erreicht. Sie machen zudem den von vielen Beobachtern seit Jahren befürchteten „China-­ Crash“ tendenziell wahrscheinlicher und seine potenziellen Auswirkungen kritischer.

Die Bemühungen der Regierung, kurzfristig die Nachfrage zu stimulieren, koste es, was es wolle, erhöhen mittelfristig die Stabilitätsrisiken. Für 2018 rechnen wir mit einem Wachstum von 6,5 %, denn die Regierung wird wohl konjunkturpolitisch graduell den Fuß vom Gas nehmen.

  • USA
    USA
  • Deutschland - Gedränge in den Einkaufszentren
    Deutschland
  • Eurozone
    Eurozone