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Frankfurt in ­Pole-Position für Brexit-Banker

Bis Ende 2019 erwarten wir einen deutlichen Anstieg der Frankfurter Bankbeschäftigung auf rund 65.000 Mitarbeiter. Der Brexit-­bedingte Zuwachs dürfte in diesem Zeitraum stärker ausfallen als die Konsolidierung.

Das deutsche Finanzzentrum ist im Rennen um die Brexit-Banker in der Pole-Position. Mittlerweile haben sich zahl­reiche Banken konkret dafür ausgesprochen, Arbeitsplätze von der Themse an den Main zu verlegen. Im Vergleich dazu wurden bisher wenige eindeutige Entscheidungen für andere Finanzplätze offiziell verkündet. Darüber hinaus favorisieren etliche weitere Institute das deutsche Finanzzentrum, zumindest für partielle Geschäftsverschiebungen. Damit gibt es nun eine ansehnliche Akkumulation von Finanzplatz-­Akteuren pro Frankfurt.

Die Favoritenrolle des deutschen Finanzzentrums im Brexit-bedingten Umstrukturierungsprozess kommt nicht von ungefähr: Frankfurt ist das führende Finanzzentrum Kontinental­europas. Unsere indikatorbasierte komparative Standort-Analyse belegt folgende Reihenfolge in Europa: London vor Frankfurt vor Paris. Mit seinen vielen Assets besitzt die deutsche Finanzmetropole schon lange eine hohe Anziehungskraft auf Akteure aus dem In- und Ausland. Hinsichtlich Arbeitsplatzverlagerungen von der Themse an den Main kommen folgende seiner Standortqualitäten besonders zum Tragen: die Stabilität und Stärke der deutschen Volkswirtschaft, der Sitz der EZB in ihrer Doppelfunktion als Zentralbank und Aufsichtsbehörde, Verkehrsdrehscheibe mit guter Infrastruktur, die relativ günstigen Büromieten sowie eine hohe Lebens­qualität bei reichhaltigem Freizeitangebot in der Stadt und im grünen Umland.

Mehrjähriger Verlagerungsprozess

Der Brexit-induzierte, mehrjährige Umstrukturierungsprozess im europäischen Finanzplatzgefüge lässt sich nach wie vor nur grob abschätzen. In unserem Basisszenario für den Brexit bleibt London trotz Imageschaden und Einschränkungen beim Binnenmarktzugang der bedeutendste Finanzplatz Europas. Angesichts seiner Pole-Position hat der Finanzplatz Frankfurt aber gute Chancen auf mindestens die Hälfte der von der Themse abwandernden Finanzjobs. Unter zurückhaltenden Annahmen wären dies über einen Zeitraum von mehreren Jahren insgesamt mindestens 8.000 Mitarbeiter. Dies sollte sich ab 2018 richtig am Main bemerkbar machen. Parallel vollzieht sich derzeit eine Konsolidierung in den hiesigen Bankentürmen, so dass es zwei gegenläufige Effekte gibt.

Der Brexit ist für den Finanzplatz Frankfurt eine einmalige Chance auf eine noch bessere Positionierung im internationalen Wettbewerb.

Summa summarum lässt dies für Frankfurt Ende 2019 rund 65.000 Bankbeschäftigte erwarten, was an historische Höchststände anknüpft und einen dreiprozentigen Anstieg gegenüber dem letzten verfügbaren Stand von gut 63.000 ­Stellen im Frühjahr 2017 bedeutet. Sollte sich sogar eine ­spürbare Sogwirkung entfalten oder es zu einem konflikt­reichen Verhandlungsausgang ­zwischen Großbritannien und der EU kommen, wäre das Ausmaß der Jobverlagerungen noch umfangreicher. Trotz der Herausforderungen durch den bevorstehenden Mitarbeiter­zustrom ist der Brexit für das deutsche Finanzzentrum eine einmalige Chance, sich noch besser in der Finanzwelt zu positionieren.

Frankfurter Bankbeschäftigung: Brexit-Zuwachs stärker als Konsolidierung

* Statistischer Bruch

Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Volkswirtschaft / Research

  • USA
    USA
  • Grossbritannien - Einigung auf dem Verhandlungsbasar?
    Großbritannien
  • Frankreich - Reformen im konjunkturellen Aufschwung
    Frankreich

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