Helaba Helaba

Eurozone

Neue Risiken und Herausforderungen

Die Eurozone ist im Aufschwung. In sicherem Fahrwasser ist sie damit noch nicht. Populismus, Protektionismus und Separatismus können sich als wachstumsschädlich erweisen.

Die Eurozone ist im Aufwind. Trotzdem bleiben die Unterschiede beträchtlich: Zwischen Ländern, die Reformen vorgenommen haben bzw. jetzt vornehmen und deren Wachstumsperspektiven positiv ausfallen, sowie Staaten, die sich diesen bislang verweigert haben. Zu Ersteren dürfen sich Spanien und Frankreich zählen, zu Letzteren Italien. In sicherem Fahrwasser ist die Eurozone allerdings noch nicht. Der Populismus mit europafeindlichen Positionen kann jederzeit wieder zu Verun­sicherungen führen, beispielsweise im Umfeld der Wahlen in Italien. Separatistische Bewegungen wie in Katalonien könnten weitere Kreise ziehen und sich wirtschaftlich negativ auswirken. Nicht zuletzt ist der Ausgang des „Brexit-Abenteuers“ ungewiss. Potenzielle Gefahren drohen hier insbesondere für Deutschland, denn das Vereinigte Königreich ist das drittwichtigste Exportland für hiesige Unternehmen.

Mit der besseren Konjunktur hat sich auch die Inflation 2017 von der als schädlich angesehenen Nulllinie entfernt. Noch sind die wesentlichen Ursachen hierfür höhere Energie- und Nahrungsmittelpreise. Mit sich festigender Konjunktur wird auch die Kernrate allmählich steigen. Da aber der Ölpreis 2018 nicht weiter zunehmen dürfte und bei den Nahrungs­mitteln ein etwas schwächerer Preisanstieg zu erwarten ist, dürften die Inflationsraten nur leicht zulegen. 2019 fallen sie dann nochmals etwas höher aus.

Bereits 2017 haben die höheren Inflationsraten die Konsumdynamik in einzelnen Ländern gebremst. Hingegen stabilisieren mehr Investitionen das Wachstum. Vom Außenhandel sind keine positiven Wachstumseffekte zu erwarten. Die günstige Binnenkonjunktur fördert die Einfuhren. Mit 2,3 % lag das Wachstum der Währungsunion 2017 über dem Potenzial. Es dürfte in den beiden folgenden Jahren mit 2,0 % bzw. 1,7 % etwas geringer ausfallen.

Das Wachstumspotenzial der Eurozone wird sich in den nächsten Jahren verringern. So verabschieden sich zunehmend Babyboomer in den Ruhestand. Berufseinsteiger und qualifizierte Zuwanderer werden diese Lücke nicht schließen können. Es braucht eine kluge, wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik, um dem entgegenzuwirken. Das Wachstums­potenzial lässt sich durch einen späteren Renteneintritt und eine höhere Partizipationsrate vergrößern. Eine verstärkte qualifizierte Zuwanderung bleibt in vielen Ländern unabdingbar. Wegen der über Jahre zu geringen öffentlichen Investi­tionen hat sich die Substanz der Infrastruktur teilweise verschlechtert. Dem müsste gegengesteuert werden. Das letzte Handlungsfeld der Wirtschaftspolitik sollte der Steigerung der Produktivität gewidmet sein, die in den letzten Jahren europaweit nur sehr schleppend zugenommen hat. Defizite sind in der beruflichen Bildung vorhanden und die digitale Infrastruktur muss verbessert werden.

Europäische Kernrate zieht an

s = Schätzung, p = Prognose

Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft / Research

  • Deutschland - Gedränge in den Einkaufszentren
    Deutschland
  • Frankreich - Reformen im konjunkturellen Aufschwung
    Frankreich
  • Grossbritannien - Einigung auf dem Verhandlungsbasar?
    Großbritannien