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Irland - Zwischen Brexit und Wohnungsnot

Der Podcast zum Artikel:

Irland

Zwischen Brexit und Wohnungsnot

Die Iren diskutierten noch, ob sie die Finanzkrise, das Platzen der Immobilienblase und die europäische Schuldenkrise nun langsam überwunden hatten, als sie mit dem Brexit-Votum der Briten ein neuer Schock traf. Unter allen EU-Ländern würde Irland unter einem chaotisch ablaufenden Brexit wohl am meisten leiden. Großbritannien ist nicht nur der wichtigste Handelspartner der irischen Republik. Irland wickelt derzeit auch einen guten Teil seines Warenhandels mit Kontinental­europa über die Nachbar­insel ab, was durch die Rückkehr von Zöllen bzw. Zollbüro­kratie massiv erschwert werden könnte. Hinzu kommt die emotional aufgeladene Frage der zukünf­tigen EU-Außengrenze zu Nord-Irland.

s = Schätzung, p = Prognose

Quelle: Helaba Volkswirtschaft / Research

Kommt jetzt der „Irexit“?

Trotz der massiven Zunahme des Wohlstands seit dem EU-Beitritt 1973 wird deshalb in Irland wohl unter allen Mitgliedsländern am ernsthaftesten über einen eigenen Austritt als Reaktion auf den Brexit diskutiert. Wenig hilfreich ist daher der bizarre Vorgang, in dem die EU-Kommission derzeit die irische Regierung vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt, weil diese eine ihr angeblich zustehende Steuerschuld von Apple in zweistelliger Milliardenhöhe nicht eintreiben will. Dies bestätigt eine aus irischer Sicht seit langer Zeit laufende Offensive der Kommission und anderer großer EU-Länder gegen die niedrigen Unternehmenssteuern, einen Grundpfeiler des „Geschäftsmodells“ der Republik.

Wohnungsmangel treibt Preise in Irland

Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft / Research

Zwar würde ein glatt laufender Brexit der irischen Wirtschaft auch Chancen bieten, insbesondere, wenn Dublin von der Verlagerung von Arbeitsplätzen in der Finanzbranche profitieren sollte. Tatsächlich wären diese Impulse aber hauptsächlich auf Dublin konzentriert und könnten ein zentrales Problem noch verschärfen: eine in Folge des Immobilien-Crashs entstandene Wohnungsknappheit. Die Bautätigkeit brach nämlich nach ihrem Boom in der Krise so stark ein, dass vor allem mangels neuen Angebots die Wohnimmobilienpreise heute selbst landesweit schon wieder das hohe Niveau von 2005 erreicht haben. Bei den Mieten werden die Höchst­stände von 2008 inzwischen sogar deutlich übertroffen.

Dies dämpft auch den privaten Konsum. Obwohl sich die Beschäftigung spürbar erholt hat und die Gesamtteuerung recht niedrig war, wurden die nominalen Kaufkraftzuwächse teilweise von den Mieten „aufgefressen“. In den nächsten Jahren dürfte die irische Binnennachfrage einschließlich des Konsums zwar weiter auf Expansionskurs steuern. In unserem Brexit-Basisszenario überwiegen aber die negativen konjunkturellen Effekte. Das irische Wachstum insgesamt dürfte daher 2018 mit 3,5 % etwas hinter den hohen Raten der letzten Jahre zurückbleiben.

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