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Japan - Wachstum ohne Konsumboom

Japan

Wachstum ohne Konsumboom

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt setzt ihre moderate Erholung fort. ­Damit ­erreicht Japan den längsten Aufschwung seit Anfang der 1980er Jahre.

Generell unterliegt das japanische Bruttoinlandsprodukt markanten Revisionen und einer starken unterjährigen Volatilität. So führte eine grundlegende Datenrevision Ende 2016 zu deutlich höheren Wachstumsraten für die letzten Jahre, die eine spürbar bessere Ausgangslage aufzeigen. Das Wirtschaftswachstum beschleunigt sich entsprechend 2017 auf 1,6 % gegenüber Vorjahr. Dies ist vor allem auf die lebhafte Exportnachfrage zurückzuführen und wird von fiskalischen Stimulierungsmaßnahmen flankiert.

Die gesamtwirtschaftliche Expansion dürfte 2018 mit rund 1 % auf die Rate der Jahre 2015 / 2016 zurückkehren. Die Binnenwirtschaft leistet einen positiven Wachstumsbeitrag, der aber unter dem der Exporte von Gütern und Dienstleistungen liegen dürfte. Sowohl die Unternehmen bei ihren Investitionen als auch die Konsumenten bei ihren Ausgaben legen eine gewisse Zurückhaltung an den Tag, die nicht ganz zu den positiven Stimmungsindikatoren passen will. Das Geschäfts­klima erklimmt immer neue Höhen. So erreicht der Tankan-­Index für Japans große Industrieunternehmen Werte wie zuletzt vor zehn Jahren. Die Bruttoanlageinvestitionen verzeichnen allerdings keinen derartigen Höhenflug, sondern wachsen nur moderat. Die hohen Unternehmenserlöse scheinen sich vorwiegend in besseren Margen niederzuschlagen, während die Lohnentwicklung ungeachtet des engen Arbeitsmarktes weiterhin verhalten ist.

Gemäßigte Entwicklung des privaten Verbrauchs

Trotz des guten Konsumklimas dürfte der private Verbrauch in Japan 2018 leicht unterdurchschnittlich wachsen. Mit einem Anteil von rund 60 % stellt er mit Abstand die wichtigste Komponente des Sozialprodukts dar. Zwar liegt die Arbeitslosenquote nach jahrelangem Rückgang mit weniger als 3 % auf einem im internationalen Vergleich sehr niedrigen Niveau. Maßgeblich für die Konsumentwicklung ist jedoch die Struk­tur des japanischen Arbeitsmarktes. Fast 40 % der Erwerbstätigen in Japan stehen in einem nicht-regulären Beschäftigungsverhältnis und erhalten eine niedrigere ­Ent­lohnung als reguläre Arbeitskräfte. Entsprechend gering fallen die Lohnsteigerungen aus – seit Jahresbeginn 2017 um nominal 0,3 % gegenüber Vorjahr.

s = Schätzung, p = Prognose

Quelle: Helaba Volkswirtschaft / Research

Nur die niedrige Infla­tion verhindert einen spürbaren Rückgang der Reallöhne und damit einen noch negativeren Effekt auf den privaten Konsum. Der Verbraucherpreisanstieg bleibt 2018 mit vor­aussichtlich 0,6 % gedämpft. Das Ziel der Bank of Japan einer Inflationsrate von 2 % liegt damit in weiter Ferne, so dass die Notenbank im kommenden Jahr – im Gegensatz zur Geldpolitik anderer Länder – unverändert ihren extrem expansiven Kurs fortsetzen wird.

Die weiter schrumpfende Bevölkerung ­begrenzt das japanische Wirtschafts­wachstum.

Um die Binnenkräfte nachhaltig zu stärken und auf diese Weise die gesamtwirtschaftliche Expansion zu festigen, bedarf es struktureller Veränderungen am Arbeitsmarkt. Die Wachstumsmöglichkeiten Japans sind durch die demo­grafische Entwicklung begrenzt, da die Bevölkerung gerade in der erwerbstätigen Altersgruppe schrumpft.

Daneben hat die drittgrößte Volkswirtschaft mit einer über­bordenden Staatsverschuldung zu kämpfen, woran sich in absehbarer Zeit nicht viel ändern dürfte. Die Mehreinnahmen aus der avisierten Mehrwertsteueranhebung sollen nur ­partiell dem Abbau der Staatsschuld dienen. Zielrichtung sind gerade auch höhere Ausgaben für Soziales und Bildung sowie ein Investitionsprogramm zur Steigerung der Produk­tivität. Die Anhebung der Konsumsteuer von 8 % auf 10 % wurde aus konjunkturellen Gründen schon zweimal ver­schoben und ist nun für Oktober 2019 geplant. Der davon ausgehende Bremseffekt könnte aber durch einen Wachstumsschub im Zuge der Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele in Tokyo im Jahr 2020 aufgefangen werden.

Japan: Binnenwirtschaft mit positivem Wachstumsbeitrag

Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft / Research

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