Helaba Helaba
Nordeuropa - Schweden: 2018 mit weniger Glanz

Nordeuropa

Schweden: 2018 mit weniger Glanz

Die schwedische Wirtschaft legt auch 2017 wieder kräftig zu und expandiert voraussichtlich um 3,1 %. Aufgrund des vergleichsweise kleinen Inlandsmarktes sind dabei die hohen Exportaktivitäten von fast 46 % des BIP besonders wichtig. 2018 wird sich Schweden weiterhin einer günstigen Konjunktur erfreuen, auch wenn das Wachstum mit rund 2,5 % etwas niedriger als im Jahr zuvor sein dürfte.

Für regen Besuch in den Kaufhäusern sorgen die anhaltende wachstumsfreundliche Geld- und Fiskalpolitik sowie die seit Jahren rasant steigenden Eigenheimpreise. Letzteres geht allerdings mit einer sehr hohen Verschuldung der Privathaushalte einher. Diese summiert sich mittlerweile auf rund 180 % des verfügbaren Einkommens. Maßnahmen der Regierung und der Banken gegen diese Entwicklung zeigen bisher keine nachhaltige Wirkung. Eine Trendwende am Häusermarkt würde aber mit enormen Risiken für die Privat­haushalte und die schwedische Wirtschaft einhergehen.

s = Schätzung, p = Prognose

Quelle: Helaba Volkswirtschaft / Research

Die hohe private Verschuldung und die Immobilienpreise sind ein Stabilitäts- und Wachstumsrisiko.

Fiskalpolitik als entscheidender Faktor

Aufgrund der Wahlen im Herbst 2018 ist vorerst mit einer anhaltenden expansiven Fiskalpolitik zu rechnen. Der Budgetplan konzentriert sich auf die Schaffung neuer Arbeitsplätze, was besonders unter dem Aspekt der hohen ­Aufnahmequote an Migranten die Voraussetzung für eine ­anziehende Konsumtätigkeit schafft. Zudem sollen Steuer­senkungen durchgeführt und Gelder in das Gesundheits- und Bildungswesen investiert werden.

Wohnimmobilienpreise beeinflussen das Konsumwachstum

Quellen: Datastream, Helaba Volkswirtschaft / Research

Die demografische Entwicklung in Schweden wird in Zukunft zu steigenden Konsumausgaben für die medizinische Versorgung führen und sich auch im Bereich Freizeit und Kultur niederschlagen. Der Online-Einkauf vor allem von Reisen und Kleidung erfreut sich großer Beliebtheit. Beim Bezahlen greifen die Schweden besonders häufig auf elektronische Zahlungs­mittel zurück. Hier werden nur noch knapp 15 % der Zahlungen im Einzelhandel über Bargeld abgewickelt.

Das Shopping-Center wird zunehmend ­online besucht.

Das Wachstum des privaten Konsums bleibt jedoch hinter dem Wirtschaftswachstum insgesamt zurück. Eine leicht auf 6,5 % sinkende Arbeitslosenquote sowie moderat zunehmende Lohnzuwächse dürften den Konsum aber stimulieren. Wachstumstreiber sind 2018 vor allem der Export und der Wohnungsbau.

Trotz anziehender Inflation und starker Wachstumszahlen hält die schwedische Zentralbank bislang an ihrer expansiven Geldpolitik fest. Die Riksbank wird sich auch in Zukunft an der EZB orientieren, um eine deutliche Aufwertung der Schwedischen Krone und deflationäre Tendenzen zu vermeiden. Somit wird die schwedische Notenbank wohl bis Herbst 2018 am Leitzins von - 0,5 % festhalten.

Norwegen: Das Öl bestimmt die Richtung

Norwegens Wirtschaftsstruktur ist durch die Ölindustrie charakterisiert. Entsprechend bremste in den letzten Jahren der niedrige Ölpreis das BIP-Wachstum. Ein wieder steigender Ölpreis verhilft dem größten Ölexporteur Westeuropas inzwischen aber, an Fahrt zu gewinnen. 2017 ist die Wirtschaftsaktivität durch einen zunehmenden Konsum der Privathaushalte und höhere Investitionen in die Festland-Industrie geprägt. Die Stärkung weiterer Wirtschaftssektoren ist im Gange.

Eine wichtige Rolle für die Wirtschaftsentwicklung übernimmt der Staat: Die wiedergewählte konservative Regierung will mit dem Budgetplan 2018 das Land wettbewerbsfähiger und attraktiver für Investitionen machen. Zwar ist die Fiskalpolitik nicht mehr so expansiv wie in den Jahren zuvor, die Maßnahmen sind aber insgesamt wachstumsfreundlich. So werden Projekte zur Verbesserung der Infrastruktur wie der Bau der Untersee-­Stromtrasse NordLink finanziert und die Steuern für Haushalte und Unternehmen weiter reduziert.

Dennoch sind die Investitionen in die Ölindustrie weiterhin tonangebend für die wirtschaftliche Entwicklung. Der Konsum und die Investitionen in andere Industriesektoren konnten allerdings einen Rückgang der Ölinvestitionen weitestgehend auffangen. Das Wirtschafts­wachstum 2018 wird voraussichtlich bei 2,2 % liegen.

Die Ölindustrie ist das Fundament der ­norwegischen Wirtschaft.

Eine sinkende Inflation und Niedrigzinsen lockten die Menschen verstärkt in die Einkaufszentren. Auch steigende Preise am privaten Häusermarkt und daraus resultierende Vermögens­effekte veranlassen die Norweger, mehr zu konsumieren.

s = Schätzung, p = Prognose

Quelle: Helaba Volkswirtschaft / Research

Gefährliche Kombination aus Eigenheimpreisen und ­privater Verschuldung

Der Preis für ein einfaches Mehrfamilienhaus entspricht mittler­weile eher dem für einen kleinen Palast. Ein Risiko besteht vor dem Hintergrund, dass Wohnimmobilien zwei Drittel des Bruttovermögens der privaten Haushalte ausmachen und der Verschuldungsgrad stärker steigt als die Einkommen. Um einer Überhitzung am Häusermarkt vorzubeugen, bestehen seit Anfang 2017 strengere Regeln für die Eigenheimfinanzierung. Zwar sind die Wohnimmobilien nicht ganz so teuer wie in Schweden und der Preisanstieg flacht ab. Eine Abschwächung am Wohnungsmarkt würde sich allerdings negativ auf den Konsum der Privathaushalte auswirken.

Positiven Einfluss auf den Konsum dürften jedoch die auf rund 4 % sinkende Arbeitslosigkeit sowie eine leicht reduzierte Sparquote haben. Für 2018 ist im Durchschnitt mit Preissteigerungen von 2,2 % zu rechnen. Die norwegische Zentralbank hat signalisiert, die Zinsen früher als zuvor avisiert zu erhöhen. Die Unsicherheiten über die Auswirkungen der Geldpolitik besonders in Anbetracht der hohen Häuserpreise lassen aber erst in der zweiten Jahreshälfte 2018 restriktive Maßnahmen erwarten. Auch der Austritt Großbritanniens aus der EU droht die norwegische Wirtschaft zu belasten, da gut 20 % der gesamten Exporte in das Vereinigte Königreich gehen.

Die Anlagen des staatlich kontrollierten Öl-Pensionsfonds belaufen sich bereits auf knapp 900 Mrd. Euro. Dies ermöglicht es Norwegen, den finanziellen Herausforderungen einer alternden Bevölkerung sowie zukünftigen Konjunkturflauten selbstbewusst entgegenzutreten. Laut Budgetplan sollen 2018 die Entnahmen im dritten Jahr in Folge höher sein als die Einzahlungen in den Fonds. Mit einem Haushaltsüberschuss von 4,2 % des BIP und einer Verschuldung von gerade einmal 37 % sind die Finanzen des skandinavischen Wohlfahrtsstaates trotzdem für die Zukunft gesichert.

Investitionen und Konsum als Treiber des norwegischen Wachstums

Quellen: Datastream, Helaba Volkswirtschaft / Research

  • Eurozone
    Eurozone
  • Deutschland - Gedränge in den Einkaufszentren
    Deutschland
  • Frankreich - Reformen im konjunkturellen Aufschwung
    Frankreich