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Rückblick mit Kassensturz

Der Podcast zum Artikel:

Rückblick mit Kassensturz

Erhöhte Wachstumsdynamik

Die Weltwirtschaft hat im Anschluss an den Einbruch der Ölpreise (2014 / 2015) ab dem zweiten Halbjahr 2016 wieder Schwung entfaltet. Eine kurze Unsicherheitsphase zu Jahresbeginn 2017 wurde schnell abgeschüttelt und ab Sommer dieses Jahres startete sie richtig durch. Die seit der Finanzkrise diskutierten Stagnationsszenarien ­wurden hiernach durch einen kaum mehr zu bremsenden Konjunkturoptimismus vor allem in den großen Industrie­ländern verdrängt. Zuvor intensiv diskutierte strukturelle ­Handicaps wie internationales Politikversagen, immer höhere Verschuldung in weiten Teilen des Staats- und Unternehmenssektors sowie mangelnde Produktivitätsfortschritte ­traten in den Hintergrund.

Der private Verbrauch erwies sich auch 2017 als Wachstums­treiber. Robuste Arbeitsmärkte, eine relativ moderate Teuerung und günstige Finanzierungsbedingungen ließen die Konsum­ausgaben nochmals spürbar ansteigen. Aber auch die ­Investitionen zogen angesichts höherer Erzeugerpreise, ­Kapazitätsauslastungen und Unternehmensgewinne ­weiter an. Der durch die Niedrigzinspolitik der Zentral­banken ­besonders befeuerte Bausektor stieß mitunter sogar an Beschäftigungsgrenzen. Der internationale ­Handel zeigte sich auch aufgrund der Preisstabilisierung bei Schlüssel­rohstoffen erstaunlich belebt. Insgesamt fiel das Welt­konjunkturbild 2017 somit überraschend ­positiv aus.

Hervorstechender Optimismus in westlichen Industrieländern

Rückblick 2017

Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft / Research

Inflationsentwicklung vielschichtig

Anfang 2017 ist die G7-Inflationsrate nach einem mehr­jährigen Abstieg in den Bereich um 2 % zurückgekehrt. Im ­Verlauf des Jahres war sie dann recht volatil. Die nicht zu ­vernachlässigenden Importpreise gewannen in den ­G7-Ländern ebenso wie die Erzeugerpreise ­deutlich an Fahrt.

Die Inflation ist in den Industrieländern 2017 wieder angestiegen. Dies geschah aber eher unbeobachtet. Teilweise sprechen die Marktteilnehmer immer noch davon, dass trotz guter Konjunktur keine Inflation vorhanden sei.

Die Teuerung in den Schwellenländern folgte in den letzten Jahren einem ganz anderen Trend. Starke Abwertungen führten in den rohstoffexportierenden Ländern im Zuge des Rohölpreisverfalls 2014 / 2015 teilweise zu zwei­stelligen Inflationsraten. Mit dem Anstieg diverser Rohstoffpreise 2016 / 2017 ­profitierten die dortigen Währungen und zeitverzögert auch die Wirtschaft. Die Inflationsraten gingen deutlich zurück. So veränderten sich auch zuletzt die Handels­bedingungen zu Gunsten der Schwellenländer.

Teuerung normalisiert

Rückblick 2017

Quellen: Bloomberg, Volkswirtschaft / Research Helaba

Geldpolitik in langwierigem Wendemanöver

Die Rückkehr zur wirtschaftspolitischen Normalität ist offenbar nach wie vor in den Köpfen vieler Menschen psychologisch stark verankert. Nur hat sich 2017 einmal mehr gezeigt, dass dies für viele Notenbanker und deren Geldpolitik noch nicht gilt. Nationale und internationale Verschuldung sowie wachsende Widersprüche zwischen inter­nationaler Ordnung und nationalen Interessen scheinen einen nach wie vor engen Rahmen zu setzen. Vor allem ist in den letzten zehn Jahren aufgrund der weltweit immens angestiegenen Staatsverschuldung das kritische Zinsniveau immer weiter gefallen. Ein Zins für Fed Funds oberhalb von 2 % gilt bei vielen bereits als bedenklich. Nicht nur für die EZB hieß es zuletzt umso mehr: ein Schritt vor, zwei zurück. Bleibt abzuwarten, wie lange die Kapitalmärkte mitspielen werden. 2017 haben sie sich noch von der Geldpolitik weiter einlullen lassen.

Die Zentralbanken pumpten 2017 das Finanz­system unter der offiziellen Maßgabe, für Preisstabilität und hinreichend Beschäftigung zu sorgen, weiter auf. Die beiden propagierten Ziele sind weitgehend ­erreicht. Damit stellt sich immer mehr die Frage nach den tatsächlichen Motiven der Geldpolitik.

Ausgelassene Risikofreude an den Finanzmärkten

Gemessen an der kumulierten Jahresperformance auf ­Eurobasis per 09.11.2017 im hier betrachteten Anlage­universum schnitten unter den Anlageklassikern Aktien am besten ab (Euro Stoxx 50: + 12,4 %). Überraschend hohe Wachstums­dynamik bei gleichzeitig relativ moderater ­Teuerung und lockerer Geldpolitik gaben Dividenden­papieren nach einem bereits guten Halbjahresergebnis im Herbst zusätzlichen Schub.

Der Euro wertete 2017 gegenüber allen wichtigen Währungen auf. Besonders stark fiel das Plus gegenüber dem US-Dollar aus. Der schwächere US-Dollar schlug sich nicht nur bei US-Aktien (S&P 500: lokal + 17,4 %; in Euro + 6,5 %), sondern auch bei Gold (US-Dollar: + 10,9 %; in Euro: + 0,7 %) spürbar in der Performance auf Eurobasis nieder. Rohstoffe fielen hierdurch sogar deutlich in die Verlustzone (US-Dollar: - 0,3 %; in Euro: - 9,6 %).

Renten traten 2017 quasi auf der Stelle (iBoxx-Deutschland: - 1,1 %). Sie unterschieden sich somit kaum mehr von den seit geraumer Zeit renditelosen Geldmarkt­anlagen (3M EUR: - 0,3 %). Spannungsfreies Wachstum und das ­Regiment der Notenbanken bildeten ein relativ enges ­Korsett für Festver­zinsliche, das nur zeitweilig durch ­politische Einflüsse gelockert wurde. Bei erheblicher Redu­zierung der Risikoprämien wiesen nur Anleihen geringer ­Bonität analog zu Aktien eine fühlbare Performance auf.

Die Finanzinvestoren dachten 2017, wenn überhaupt, nur für einen kurzen Moment an ein Ende der Party bei Risikoanlagen. Schließlich sorgte die Geldpolitik für flüssigen Nachschub und die konjunkturelle Begleitmusik hob noch einmal forsch an unter dem Motto: „The trend is your friend.“

Aktien mit weitem Abstand vorne

Rückblick 2017

Quellen: Datastream, Helaba Volkswirtschaft / Research

  • Hauptszenario
    Hauptszenario: Einkaufszentrum (70%)
  • Alternativszenario - Bauruine (10 %)
    Alternativszenario: Bauruine (10 %)
  • Länder und Regionen
    Länder und Regionen

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